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ArchitektOUren spezial | Das bunte Magdeburg

In den 1920er Jahren machte Magdeburg mit seinem Aufbruch in die Moderne als „Stadt des neuen Bauwillens“ von sich reden. Hier entstanden moderne Siedlungsbauten, die in ihrem Umfang und in ihrer Vielfalt neben vergleichbaren Siedlungen in Berlin, Hamburg und Frankfurt/Main auch heute noch hohe Anerkennung finden. Neben dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister Hermann Beims war der Architekt Bruno Taut führender Kopf dieser Bewegung. 1921 wurde Taut zum Stadtbaurat ernannt. In den drei Jahren seines Wirkens konzentrierte sich seine Tätigkeit auf die Neuorganisation des Hochbauamtes, die Aufstellung eines Generalsiedlungsplanes und die Verwandlung Magdeburgs in eine farbige Stadt. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Juni 1921 äußerte sich Taut zum damaligen Einheitsgrau der Häuser: „… Die Farbe soll den Bauten ihren Charakter zurückgeben.“ (Magdeburgische Zeitung und Volksstimme 26.6.1921). Teils spöttisch, teils anerkennend erhielt die Stadt den Titel „Das bunte Magdeburg“. Der „Magdeburger Farbenstreit“ begann, nachdem Taut die privaten Hausbesitzer aufrief, sich an den Stadtrat zu wenden, um sinnvolle Farbkonzepte zu entwickeln.

Das Für und Wider wurde in den Magdeburger Tageszeitungen eifrig diskutiert, selbst die Stadtverordnetenversammlung debattierte das Thema Farbe. Eine der aufregendsten, farbig gestalteten Fassaden war die des Kaufhauses Barasch (Architekt: Oskar Fischer, Berlin) am Breiten Weg. Aber auch das Magdeburger Rathaus zeigte in dieser Zeit eine intensive Farbigkeit. Carl Krayl, Mitstreiter Tauts und kongenialer Künstler, setzte die unter Leitung von Taut stehenden Hausbemalungen künstlerisch um. Aber nicht nur Häuser wurden farbig gestaltet, auch Kioske, Uhren und die Reklame erhielten eine expressive Gestaltung. Nach dem Weggang Tauts 1924 wurden seine Pläne unter seinem Nachfolger Johannes Göderitz fortgesetzt. Die Stadt erlebte einen spürbaren Aufschwung. Magdeburg wurde Ausstellungsstadt. Auch der Siedlungsbau entwickelte sich weiter. Schon vor dem ersten Weltkrieg kam es in Magdeburg zur Gründung der ersten Baugenossenschaften. Die Einwohnerzahl hatte sich, bedingt durch die Industrialisierung, innerhalb von 30 Jahren verdoppelt. Um den schlechten Wohnverhältnissen in den Mietskasernen zu entfliehen und der Wohnungsnot entgegenzuwirken, begannen die überwiegend auf Selbsthilfe basierenden Genossenschaften mit dem Bau von Siedlungen, die sich durch besondere städtebauliche Qualitäten bei gleichzeitig preiswertem Bauen auszeichneten. Dass die Stadt nach dem ersten Weltkrieg vorausschauend Grundstücke erwarb, um diese dann den Genossenschaften kostengünstig zur Verfügung zu stellen, unterstützte den Prozess. In den Wohnsiedlungen setzte Taut als erster ab 1913 in der Siedlung Reform Farbe zur Hervorhebung einzelner Häuser in den Reihenhauszeilen ein, ergänzt durch intensiv farbig gestaltete Fenster und Türen. Bei den verschiedenen späteren Siedlungsbauten der Stadt wurden die Fenster und Türen ebenfalls überwiegend farbig betont. Die Häuser selbst wurden jedoch nur noch teilweise flächig mit verschiedenen Farben behandelt, um horizontale bzw. vertikale Gliederungen zu unterstreichen. Jede Siedlung und jeder Straßenzug in der Stadt erhielt somit sein eigenes Gesicht. In ihnen ist die Entwicklung der Architektursprache in über mehr als 20 Jahren noch heute ablesbar.  Von Magdeburg gingen beginnend in den 1920er Jahren Impulse für eine neue, sozial orientierte Stadt im Zusammenspiel von Architektur, Kunst, Design und sozialer Verantwortung aus, die noch gegenwärtig spürbar sind. Auch heute greifen Architekten, wie in den Jahrzehnten zuvor, das Thema „Das bunte Magdeburg“ immer wieder auf und bereichern das Stadtbild mit einer überraschend farbigen Gestaltung ihrer Bauten.

Projekte der Stadt Magdeburg
Übersichtskarte mit Objekten [PDF]
Gartenstadt-Kolonie Reform [PDF]
Hermann-Beims-Siedlung [PDF]
Siedlung Cracau [PDF]
Angersiedlung [PDF]
Otto-Richter-Straße [PDF]
Schneidersgarten [PDF]
Curie-Siedlung [PDF]
Landesfunkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks [PDF]
Fakultät für Wirtschaftswissenschaft [PDF]
Experimentelle Fabrik [PDF]
weitere Projektempfehlungen [PDF]



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