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Freier Kindergarten 'Riesenklein'

Ort: Halle (Saale), Diesterwegstraße 37
Architekt: complizen Planungsbüro, Halle (Saale)
Bauherr: Riesenklein GmbH, Halle (Saale)
Fertigstellung: 2015

Die Geschichte der provisorischen Erweiterung des Freien KinderGartens „Riesenklein“ könnte gut und gern zu einem Bestseller in Sachen „Architektur macht Schule“ taugen. Denn alles, aber auch alles, haben Erzieher, Pädagogen, Eltern, Architekten und Kinder in einem einzigartigen Findungs- und Realisierungsprozess einer riesenkleinen Bauaufgabe einfach richtig gemacht. Das hallesche Bildungshaus „Riesenklein“ gibt es seit 15 Jahren. Und es wächst. Bis zu dem in drei Jahren geplanten Umzug in ein neues Gebäude fehlten jetzt rund 100 Quadratmeter Platz. Über die Frage, wie sinnvolle, ökonomische, ökologische und nachhaltige temporäre Zwischennutzungen aussehen oder was Modularbauten bringen könnten, kam man auf die – nicht ganz naheliegende – Idee mit den Hochseecontainern. Sie aber würden am besten den Ansprüchen, Ideen und Träumen der Nutzer gerecht werden. Es folgte eine intensive Zeit. In Zusammenarbeit aller wurden für die Container Raumlösungen, Baustoffe und Nischen besprochen, diskutiert, verworfen und festgelegt, ein Modell gebaut und in themenbezogenen Alltags- und Spielaufgaben die späteren Grundrisse entwickelt. Das Ergebnis: die Anschaffung von vier Hochseecontainern, die aneinandergekoppelt, zueinander versetzt positioniert und mit der Rückseite des „Riesenklein“-Hauses zu einem Ensemble verbunden worden sind. Je nach Raumfunktion wurden Wand- und Deckenteile für Türen, Fenster und Verbindungsöffnungen herausgeflext. Eine gedämmte Holzständerkonstruktion ermöglichte den flexiblen Ausbau, weiß lasiertes Holz die Natürlichkeit der Oberflächen. Es ist hell und gemütlich im Innern, jedes Detail mit Sorgfalt wohldurchdacht. Zudem: Alle Materialien wurden reversibel verbaut, die Idee der Nachnutzung ist konstruktiv berücksichtigt, die Dämmwerte sind eingehalten. Und die Riesenkleinen? Längst glücklich in ihrem Provisorium: Denn wer kann schon von sich behaupten in einem Haus zu leben, das um die ganze Welt gekommen ist? Die Jury war sich sicher: „Die innere Gestaltung mit abwechslungsreichen Raumfolgen und die Funktionalität sind eine hervorragende Interimslösung. Sie tritt den Beweis dafür an, was entstehen kann, wenn Improvisation und Kreativität aufs Beste zusammengehen.“


Foto: Eduardo Novo

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